August 2019.

Wer einmal in Flandern war, den zieht es immer wieder dorthin! Flandern, eine der drei Regionen des Königreichs Belgien, beheimatet die meisten als Flamen bezeichneten niederländisch-sprachigen Belgier. Ich erinnere mich noch gut an die ersten Besuche vor vielen Jahren mit vielen bleibenden Eindrücken aus Gent oder Brügge – und wie sehr ich mich wunderte, dass man hier „Wasser sparen“ soll 😉

Um sich die bedeutende Historie der Städte – auch jenseits der Bierbrauerei – bewusst zu machen, kann man sich bis in die römisch-gallische Zeit im 2. und 3. Jahrhundert zurückbesinnen. Am markantesten sind jedoch die Zeitzeugnisse aus den großen Handelsepochen. Die Region wurde schon früh zu einem Zentrum der Textilherstellung und Textilveredlung, Um 1200 fand in Brügge die erste Handelsmesse statt. Gehandelt wurden Wolle, Gewürze und Brokat, Pelze und Hölzer, Lammfelle, Wein und Gobelins. Im verzweigten Handelsnetz von Flandern war Brügge der wichtigste Fernhandelsplatz noch vor Antwerpen, während Gent und Ypern regionale Marktorte waren.

Neben gemütlichen Stadtkernen mit imposanten Gebäuden, Grachten und Straßenzügen war mir persönlich die Region im Bewusstsein durch die Vielzahl der kleinen Restaurationsbetriebe für antike Schätzchen geblieben. Bereits Mitte der 80er Jahren hatte ich dort den ein oder anderen antiken Schrank erworben. Einrichtungsgegenstände, die die Flamen vor allem von den Bauernhöfen im Norden Frankreichs „importierten“, um sie dann sorgfältig in einen prächtigen Zustand zurückzuversetzen.

Es war also mal wieder an der Zeit, sich für ein paar Tage auf eine Entdeckungsreise zu begeben. Als Standort hatten wir Brügge ausgewählt. Brügge ist die Hauptstadt und größte Stadt der Provinz Westflandern. Die Altstadt ist von Wallanlagen und Kanälen umgeben. Da Brügge nie durch Kriege oder großflächige Brände zerstört wurde, sind mittelalterliches Stadtbild und historische Gebäude sehr gut erhalten. Der mittelalterliche Stadtkern wurde 2000 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. 2002 war Brügge Europäische Kulturhauptstadt.

Die Altstadt von Brügge ist somit außerordentlich reich an originaler historischer Bausubstanz. Unverkennbare Sehenswürdigkeiten sind beispielsweise:

Grote Markt – Der zentrale große Markt Brügges war im Mittelalter noch mit dem Schiff erreichbar. An der Ostseite des Marktes konnten Waren, vor allem Stoffe in der Waterhalle genannten großen Tuchhalle im Trockenen gelagert und gehandelt werden. Diese Waterhalle wurde ab 1294 erbaut und 1787 abgerissen. In dieser Stelle befinden sich seitdem der Provinciaal Hof, die Post und das als Gouverneursresidenz geplante Gebäude.

Brügger Belfried – Der Belfried ist 83 m hoch (noch heute gilt: kein Gebäude in Brügge darf höher sein!) und in die Markthallen am Grote Markt integriert. Er wurde ebenso wie diese im 13. und 14. Jahrhundert erbaut. Im Spätmittelalter demonstrierte der alle Bauwerke der Stadt überragende Turm die Macht des selbstbewussten reichen Bürgertums und diente als Brandwache. Die Liebfrauenkirche (re) ist Hüterin wertvoller Kunstschätze.

Brügge- die Bierstadt. Die älteste Stadtbrauerei Brügges ist De Halve Maan. Sie wurde bereits 1546 in Betrieb genommen.

Brügge – Schokoladen- und Pralinenparadies. Es gibt über 50 Geschäfte in der Innenstadt, die feinste Schokolade und fantasievolle Pralinen mit teilweise exotisch anmutenden Gewürzen verkaufen. Weltweit berühmt ist beispielsweise Dominique Persoone mit seinem Laden „The Chocolate Line“.


Von Brügge nach Gent fährt man „nur“ ein knappe Stunde. Was wir aber nicht wussten: die Landstraßen sind nicht für unseren relativ hartgefederten Mini geeignet. Kopfsteinpflaster – die Hölle des Nordens, wie man es aus diversen Radrennen kennt… Aber natürlich ist das prächtige Gent trotzdem einen Besuch wert. Hier ein par Eindrücke:


Ein weiterer Abstecher führt uns hinaus an die Küste – schließlich sind wir in weniger als 30 min in Ostende. Hier weht selbst jetzt im August ein frischer Seewind – zünftig geht es zur Sache, da geht einem glatt der Hut hoch :-).

Ostende liegt übrigens direkt an der „Kusttram“, der längsten Straßenbahnlinie der Welt. Mit der meterspurigen Überlandstraßenbahn geht es insgesamt 67 km teilweise direkt am Strand entlang zu 67 Haltestellen, von der Grenze zu Frankreich bis hinauf zur niederländischen Grenze. Touristen können im Sommer im 10-Minutentakt überall ein- und aussteigen.


Zurück in Brügge – ein letzter Stadtrundgang:

Zum Abschluss darf ein klein wenig Kultur nicht fehlen: ein Besuch im 3D-Skulpturen-Museum:

Das 3D-Skulpturen-Museum zeigt auf sehr originelle Weise Meisterwerke der „Flämischen Primitiven“ aus dem 15. und 16. Jahrhundert. Wir wandeln unter anderem vorbei an dem Garten der Lüste von Hieronymus Bosch, dem Jüngsten Gericht von Hans Memling und der Verehrung des Lammes Gottes von Jan van Eyck. Die einmaligen Reliefskulpturen aus Gips wurden von Meisterhand von Künstlern aus Amerika, Russland, Italien, Spanien und anderen Ländern erschaffen.


Dies ist natürlich nur ein verschwindend kleiner Teil der Eindrücke, die diese vielseitige Weltkultererbe-Stadt und ihre Umgebung zu bieten haben. Sozusagen nur ein kleiner „Appetitanreger“.

Wer die besondere Lebensart der Flamen erleben – und genießen – will, ist hier jederzeit gut aufgehoben!

Brügge und Co. – immer wieder gerne

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